
Kreatives Schreiben könnte eigentlich ganz einfach sein: Papier, Stift, los.
Und trotzdem tut man es monate- oder gar jahrelang nicht. Weil das, was sich so simpel anhört, in der Praxis gegen etwas ankämpft, das hartnäckiger ist als Zeitmangel oder vermeintlich fehlendes Talent: gegen den Anspruch, vom ersten Wort an wohlformuliert, durchdacht und literarisch wertvoll zu schreiben.
Ich kenne diesen Anspruch sehr gut. Er klingt bei mir ungefähr so: Du kannst jetzt nicht schreiben, du hast noch nichts Tiefsinniges zu sagen. Und wenn du dich dran setzt, dann muss es auch gleich perfekt sein. Du darfst dir keine Fehler erlauben.
Deswegen ist dieser Blogbeitrag ein Plädoyer für alle, die auch gerne mal regelmäßig schreiben würden, sich aber bisher nicht trauen, weil sie denken, sie könnten es eh nicht und sie hätten kein Recht darauf, weil sie keine „Profis“ sind.
Was dich erwartet:
- Warum Erwachsene beim kreativen Schreiben häufiger blockiert sind als Kinder
- Die eine Erlaubnis, die den Unterschied macht
- 5 kreative Schreibübungen, die du heute noch ausprobieren kannst
- Was passiert, wenn du das regelmäßig machst
PS: Du denkst, du kannst nicht schreiben? Beweis dir in 7 Tagen das Gegenteil – mit meiner kostenlosen Schreib-Challenge (klicke, um mehr zu erfahren).

Hej, hier schreibt Kiki
Autorin der Triathlon-Trilogie, Schreibpädagogin für Kreatives und Autobiografisches Schreiben, vor einigen Jahren nach Südschweden ausgewandert und gerne in Bewegung! Ich lebe mit meiner Familie in einem typischen roten Schwedenhaus mitten im Wald und habe den Kopf voller Geschichten. Lebensmotto: Man muss die Feste feiern, wie sie kommen 💙
Warum kreatives Schreiben für Erwachsene so schwer zu sein scheint
Als Kinder haben wir einfach geschrieben: Aufsätze in der Schule, Tagebucheinträge, Briefe an die beste Freundin, selbst ausgedachte Geschichten in zerfledderten Schulheften. Nicht weil wir wussten, wie man richtig schreibt, sondern weil wir ein natürliches Bedürfnis hatten, uns selbst auszudrücken – und keine innere Kritikerin, die alles klein redet.
Irgendwann änderte sich das leider.
Als Erwachsene sind wir das Schulsystem durchlaufen und haben „echte“ Bücher und Roman gelesen. Wir kennen gute Literatur. Wir wissen, wie ein gelungener erster Satz klingt — und deshalb wissen wir auch sofort, wenn unserer es nicht tut. Die innere Kritikerin sitzt im Startblock und meckert, noch bevor die Hand den Stift ansetzt.
Dazu kommt ein überhöhtes Bild davon, was kreatives Schreiben sein muss: super einfallsreich, noch nie dagewesene Formulierungen, bedeutsam, tiefsinnig, literarisch wertvoll. Als hätte man nur dann das Recht Wörter zu Papier zu bringen, wenn man auch wirklich etwas zu sagen hat. Etwas, das es verdient, aufgeschrieben zu werden.
Aber das Problem ist gar nicht, dass du kein Talent hast. Das Problem ist, dass du es nicht schaffst, dir die Erlaubnis zu geben, erstmal überhaupt zu schreiben – losgelöst vom Ergebnis und ob das jetzt gut, schlecht oder etwas dazwischen ist.
Kreatives Schreiben ist viel niedrigschwelliger, als viele denken. Es bedeutet nicht, einen Roman zu schreiben. Auch keine formvollendete Kurzgeschichten, die in irgendeiner Anthologie veröffentlicht wird. Es ist bereits Kreatives Schreiben, wenn du eine kleine Szene ohne festen Anfang oder Ende schreibst, ein Gedicht aus fünf Zeilen, einen freier Text, der nirgendwo hinführt außer zu dir selbst.

Kreatives Schreiben anfangen und Schreibblockaden vorbeugen
Ich habe bereits drei Romane veröffentlicht und mir zwischenzeitlich so viel Druck gemacht, dass ich monatelang gar nichts geschrieben habe. Hätte ich in dieser Zeit alle zwei Tage auch nur einen kleinen Text geschrieben, einfach nur so für den Spaß an der Freude, wäre ich aus diesen Schreibblockaden mit Sicherheit viel schneller rausgekommen. Aber das habe ich nicht gemacht. Weil ich es als sinnlos empfand – rückblickend wird mir klar, wie vermessen dieser Gedanke war!
Nichts, was du schreibst ist sinnlos. Jeder kleine Text, den du selbst schreibst, der aus deiner Fantasie und dem, was du persönlich zu sagen hast, entsteht, ist unglaublich wichtig für dein Schreibselbstbewusstsein und deine kreative Entwicklung. Und in Zeiten wie diesen, wo KI alles theoretisch für dich schreiben kann, ist es eine pure Superkraft, noch selbst etwas zu Papier bringen zu können.
Überhöhte Ansprüche, Druck und Perfektionsstreben stehen dir dabei nur im Weg.
Was wäre, wenn du dir stattdessen die Erlaubnis gibst, offiziell schlechte Sätze zu schreiben? Einen Text, den du hinterher wegwirfst? Eine halbe Seite, die nirgendwo hinführt.
Das ist nämlich kein Versagen, sondern der Anfang von Schreiben.
Du fängst nicht mit einem Roman an. Nicht mit einer neun Seiten langen Kurzgeschichte. Du fängst einfach mal mit einem Satz an. Mit einer halben Seite. Mit einem kleinen Gedicht, das aus fünf Zeilen besteht.
Das alles zählt, denn es ist Schreiben.
Wer regelmäßig klein anfängt, bekommt Übung im Anfangen. Die Hemmschwelle sinkt und der Weg vom leeren Blatt zum ersten Satz kürzer wird, je öfter du ihn gehst.

Swim Away. Sportroman [Sacrifice for the Dream x Found Identity] – Teil 1 der Triathlon-Trilogie von Autorin Kiki Sieg.
Eine fesselnde Young-Adult-Story über das Risiko, alles zu verlieren – und die Chance, sich selbst neu zu finden.
Aurelie ist talentiert, diszipliniert und voller Kampfgeist – gute Voraussetzungen, um erfolgreiche Triathletin zu werden. Doch schon im ersten Wettkampf der neuen Saison merkt sie, dass es nicht nur um Zeiten und Platzierungen geht – sondern darum, herauszufinden, was wirklich in ihr steckt.
Wie viel ist sie bereit zu opfern, um ihren Traum zu leben – und wer wird sie sein, wenn der Preis zu hoch ist?
5 kreative Schreibübungen für den Einstieg
Du musst nicht zwingend konkret wissen, worüber du schreiben willst, bevor du anfängst. Die folgenden fünf Übungen nehmen dir diese Entscheidung ab. Sie sind klein genug, um jetzt gleich loszulegen — und sie bringen nebenbei oft Material hervor, aus dem weitere Texte und Geschichten entstehen können.
Such dir eine aus. Oder probiere alle fünf. Und denk daran: Es darf schlecht werden (muss es aber nicht und wird es wahrscheinlich auch nicht).
Übung 1 — Freewriting: Schreib, ohne nachzudenken
Freewriting ist die Übung, die ich immer zuerst empfehle. Die Idee dahinter: Du schreibst, ohne anzuhalten. Ohne zu korrigieren. Ohne zu bewerten, ob das, was auf dem Papier landet, gut klingt oder irgendeinen Sinn ergibt.
So geht es:
Setz dir einen Timer auf 10 Minuten. Dann schreibst du — was auch immer kommt. Kein Rückwärtsgang, keine Korrekturen. Wenn dir nichts einfällt, schreibst du: „Mir fällt gerade nichts ein, aber ich schreibe weiter, weil…“ — und schaust, wo dich der Satz hinführt.
Die innere Kritikerin ist langsamer als eine Hand, die bereits in Fahrt ist. Freewriting nutzt genau das aus.
Was dabei herauskommt, muss nicht schön sein. Ist es meistens nicht. Aber manchmal steckt darin ein Satz, ein Bild, eine Idee — und die gehört dir.
Ich habe dem Freewriting einen eigenen Blogbeitrag gewidmet, falls du tiefer einsteigen möchtest: Free Writing — Die beste Schreibübung, wenn dein Kopf einen Reset-Button braucht.
Übung 2 — Zeilen-Spalten-Sätze: Wörter sammeln, Sätze bauen
Diese Übung funktioniert anders als Freewriting. Hier denkst du ein bisschen nach — aber in kleinen, überschaubaren Schritten. Und das Ergebnis überrascht dich trotzdem.
So geht es:
Zeichne eine Tabelle mit 3 Spalten und 6 Zeilen. In die oberste Zeile kommen drei Wörter: eine Farbe, ein Verb und eine Emotion. Mein Vorschlag: grün, aufwachen, Neugierde. Du kannst aber auch eigene Wörter wählen.
Dann schreibst du unter jedem dieser drei Begriffe fünf Wörter, die dir spontan dazu einfallen. Irgendwelche Assoziationen, je freier desto besser.
Jetzt hast du fünf Zeilen, in denen jeweils drei Wörter stehen. Der nächste Schritt: Schau dir die Wörter in der ersten Zeile an und bilde einen Satz, in dem alle drei vorkommen. Das machst du für jede Zeile, bis du fünf Sätze hast.
Hinter jedem dieser Sätze schimmert eine mögliche Geschichte durch — manchmal eine, die man so nie geplant hätte. Merkst du dir einen davon, den, der etwas in dir auslöst, hast du schon mehr als du denkst.
Die vollständige Anleitung mit Beispiel: Übung 2: Zeilen-Spalten-Sätze
Übung 3 — Buchstabenliebe: Wenn Sprache zum Spiel wird
Manchmal hilft es, direkt mit der Tür ins Haus zu fallen und mit dem wahrsten Satz anzufangen, der dir gerade einfällt. Der muss nicht guBei dieser Übung geht es ausdrücklich nicht um literarische Qualität. Quatsch ist nicht nur erlaubt, sondern das Ziel. Und deswegen macht diese Übung so viel Spaß.
So geht es:
Du brauchst zwei Zahlen zwischen 1 und 26. Würfel sie, greif in die Luft, nimm was dir gerade einfällt. Die erste Zahl wird zum entsprechenden Buchstaben im Alphabet — die 9 wird zum I, die 19 zum S, die 3 zum C. Die zweite Zahl bestimmt, wie viele Wörter in deinem Text mit diesem Buchstaben beginnen müssen.
Dann schreibst du, bis du die Anzahl erreichst.
Ein Beispiel: Buchstabe W, Zahl 8.
Weit weg, wo Wolken wandern, wacht eine winzige Wüstenblume.
Macht das literarisch Sinn? Nicht wirklich. Macht es Spaß? Ja! Und nebenbei passiert etwas: Man gräbt im eigenen Wortschatz nach Dingen, die man normalerweise nicht anrühren würde. Man schreibt Sätze, auf die man sonst nie käme.
Die meisten hauen dich womöglich nicht vom Hocker. Manchmal taucht aber ein Wort auf, ein Bild, eine Idee auf, die dich direkt inspiriert und wo du eine originelle Schreibidee witterst.
Vollständige Anleitung mit Beispielen: Übung 5: Buchstabenliebe
Übung 4 — Vom Satz zur Geschichte: Dein erster kleiner Text
Diese Übung baut auf Übung 2 oder 3 auf — und ist der Moment, in dem aus Schreibspielen echte Geschichten werden können.
So geht es:
Schau dir die Sätze an, die du in Übung 2 oder 3 geschrieben hast und wähle einen aus. Den, der irgendwie hängen geblieben ist. Den, der ein Gefühl ausgelöst hat, eine Frage, ein Bild.
Nimm diesen Satz — und schreib daraus einen kurzen Text. Nicht länger als eine Seite. Das kann eine kleine Geschichte sein, ein Gedanke, ein Moment. Ein Kurzgedicht, wenn sich das besser anfühlt.
Wie du mit dem Satz umgehst, bleibt dir überlassen. Entweder er taucht im Text auf — als erster Satz, als letzter, irgendwo mittendrin. Oder er bleibt unsichtbar und ist nur der Zündfunken: Du weißt, wo der Text herkommt, aber er zeigt es nicht.
Beides ist möglich. Und das Ergebnis — dieser eine kleine Text, nicht länger als eine Seite — ist ein vollständiger Text. Kein Entwurf. Kein Fragment. Ein Text.
Übung 5 — Serielles Schreiben + Elfchen: Zehn Sätze und ein kleines Gedicht
Diese Übung ist zweigeteilt. Sie führt dich in zwei Schritten von einer einfachen Schreibübung zu einem kleinen, fertigen Gedicht.
Schritt 1: Serielles Schreiben
Wähle einen der folgenden Prompts:
- „Ich erinnere mich an…“
- „Was ich noch nie gesagt habe…“
- „An diesem Morgen…“
- „Was mich überrascht hat…“
- „Eigentlich wollte ich…“
Schreib jetzt 10 Sätze, alle mit demselben Anfang. Zügig. Nicht nachdenken, nicht redigieren — einfach den nächsten Satz schreiben, sobald der vorherige steht. Banale Sätze dürfen dabei sein. Seltsame auch. Beides ist gut.
Du hast danach 10 Sätze auf dem Papier. Lies sie durch. Irgendwo darin — in einem Wort, einem Bild, einer Formulierung — wird etwas sein, das dich anzieht.
Schritt 2: Das Elfchen
Das Elfchen ist eine Gedichtform mit genau 11 Wörtern, verteilt auf 5 Zeilen nach dem festen Schema 1 — 2 — 3 — 4 — 1. Jede Zeile hat dabei eine eigene Funktion:
- Zeile 1 (1 Wort): Das Thema
- Zeile 2 (2 Wörter): Eine Eigenschaft des Themas
- Zeile 3 (3 Wörter): Eine Handlung oder ein Ort
- Zeile 4 (4 Wörter): Ein Gefühl, ein Gedanke, eine Beobachtung
- Zeile 5 (1 Wort): Das Fazit — oder ein Echo des ersten Wortes
Ein Beispiel von mir:
Kontrolle
eine Illusion
hilft nur vermeintlich
kann nur mich kontrollieren
Vertrauen
Elf Wörter. Ein vollständiges Gedicht.
Nimm jetzt das, was du aus Schritt 1 mitgenommen hast — eine Idee, ein Gefühl, ein Wort — und schreib dein Elfchen, bzw. so viele du möchtest. Es darf mehrere Versuche brauchen. Die Wörter zählen, die Struktur einhalten, trotzdem etwas sagen: das ist eine kleine Herausforderung. Aber wenn es klickt, hält man ein Gedicht in der Hand, das sich erstaunlich vollständig anfühlt.

Was regelmäßiges kreatives Schreiben mit dir macht — und warum kleine Texte das beste Training sind
Ich verspreche hier nichts Großes. Kein „In drei Monaten schreibst du deinen ersten Roman.“
Aber ich sage dir, was ich beobachte — bei mir selbst und bei Menschen, die regelmäßig Übungen aus dem Kreativen Schreiben machen:
Die Seiten füllen sich schneller, weil der Weg vom leeren Blatt zum ersten Satz kürzer wird. Man kennt ihn. Man traut sich mehr und schneller.
Ideen kommen früher. Wer regelmäßig schreibt, fängt an, die Welt anders wahrzunehmen — ein Gespräch, eine Szene auf der Straße, ein Satz, der in einem völlig anderen Zusammenhang auftaucht und trotzdem irgendwie richtig sitzt.
Die innere Kritikerin wird leiser. Nicht stumm — das wird sie wohl nie ganz. Aber sie kommt später. Sie hat immer weniger zu melden, weil du jetzt regelmäßig die Erfahrung sammelst, dass du einfach nur anfangen musst zu schreiben und dann schon etwas dabei herumkommt.
Dein Schreibselbstbewusstsein wächst. Plötzlich hast du kleine Texte und Gedichte, die dir gefallen, die du immer wieder durchlesen kannst und dabei heimlich denkst: „Cool, das habe ich geschrieben.“
Kreatives Schreiben ist in dem Sinne Schreibtraining, das wirklich funktioniert: es bringt dich ins Schreiben, es schenkt dir Erfolgserlebnisse, es gibt dir die Chance, deine Schreibstimme zu entdecken.
Fazit: Kreatives Schreiben lernst du, indem du es ausprobierst.
Du brauchst keinen perfekten ersten Satz. Keine tiefsinnige Idee, die des Aufschreibens würdig ist. Keinen Roman-Plan.
Du brauchst einen Timer, ein leeres Blatt — und die Erlaubnis, dass das, was entsteht, erst einmal nichts sein muss außer einem Anfang.
Such dir eine der fünf Übungen. Setz den Timer. Fang an.
Weiterführende Links für dich:
Noch mehr Inspiration findest du hier auf meinem Blog:
- Free Writing — Die beste Schreibübung, wenn dein Kopf einen Reset-Button braucht
- Kreatives Schreiben in unruhigen Zeiten — Übung 2: Zeilen-Spalten-Sätze
- Kreatives Schreiben in unruhigen Zeiten — Übung 5: Buchstabenliebe
- 9 todsichere Wege, deine Schreibblockade niemals zu überwinden
- Flash Fiction schreiben — So erzählst du starke Geschichten in wenigen Worten
- Ideen für Geschichten: 50+ kreative Themen und Schreibimpulse
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Zu den Sportromanen von Kiki Sieg – Swim Away, Bike Away, Run Away
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Oft liegt das nicht daran, dass dir die Kreativität zum Schreiben fehlen würde. Sondern daran, dass du noch nicht die Themen gefunden hast, die dich wirklich interessieren.
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deine Kiki
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